Verantwortliche im Eichsfeld scheuen offenbar richtige Konsequenzen nach Fehlentwicklungenzu ziehen
Am Sonntag hat sich das Volk in Baden-Württemberg nach intensiver öffentlicher und transparenter Diskussion entschieden, den pünktlichsten Bahnhof Deutschlands mit vielen Milliarden Euro Aufwand unter die Erde zu bringen. Das ist für die vielen Kritiker des Projektes "Stuttgart 21" eine schwere Niederlage. Die Entscheidung ist dennoch ein guter Tag für die Demokratie: Wer wollte, konnte sich intensiv darüber informieren und dann direkt mit zur getroffenen Entscheidung beitragen. Ganz anders die Situation in Heiligenstadt: Dort sind die Verantwortlichen noch nicht so weit und drücken sich immer wieder vor transparenten Entscheidungsfindungsprozessen. Erst durch massive Kritik und viel geopferter Freizeit ehrenamtlich tätiger Menschen kommt etwas Licht ins Dunkel. Aktuelle Beispiele: Abgasmessungen der LSR AG und die gerichtlich festgestellten Betrügereien bei der KOWO. Das Erschreckende bei letzterem Beispiel ist, wie der Heilgenstädter Stadtrat und der Aufsichtsrat hinters Licht geführt wurde und unrühmlich Einfluss genommen wurde. Leider trägt das wiedereinmal zu dem verbreiteten Vorurteil bei, im Eichsfeld könne man sich alles erlauben, wenn man die richtigen Leute kennt und in der richtigen Partei ist.
Schon als die Staatsanwaltschaft intensiv ermittelte, durfte der umstrittene Geschäftsführer weiter unbehelligt Chef potentieller Zeuginnen und Zeugen im bevorstehenden Gerichtsprozess bleiben, was sicher nicht ohne Eindruck auf die ihm unterstellten Angestellten blieb. Nach dem Gerichtsurteil, das in seiner Begründung viele Kündigungsgründe nannte, ließ man die 14-tägige Kündigungsfrist tatenlos verstreichen. Für dieses Versäumnis wurden gar keine oder nur sonderbare Begründungen geliefert. Das zeigt: Es gab und gibt offenbar keinerlei Interesse, aufzuklären und unlautere Arbeitsweisen zu verhindern. Statt sich aber die Urteilsbegründung des Gerichtes überhaupt anzuhören, lud man die Verteidiger des Angeklagten zur Aufsichtsratssitzung ein, verkaufte die naturgemäß einseitigen Ausführungen als objektive Rechtslage und suggerierte dem Aufsichtsrat, dass die nun durchgeführte Geschäftsführer-Rochade, bei der praktisch nur die Türschilder ausgetauscht werden, die Lösung des Problems sei. Das ist ein Skandal. Es beweist das Bestreben, dass für bestimmte Leute unredliches Verhalten keine Konsequenzen haben soll - egal welchen Schaden die Stadt nimmt. Es bleibt nun zu hoffen und zu fordern, dass sich der Aufsichtsrat endlich emanzipiert und eine souveräne Entscheidung trifft, die irgendwann das Vertrauen zurück bringt.
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